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Bericht von Heike Herys:

Mit meiner Geschichte möchte ich alle verzweifelten Eltern,
alle allein erziehenden Mütter,
sowie alle Menschen erreichen,
die sich Tag für Tag herumquälen,
sich jede auch nur erdenkliche Hilfe gesucht haben,
resigniert haben,
denn sie sind an einem Punkt angekommen,
wo sie merken, das nichts, aber auch gar nichts, ihnen, ihren Kindern und auch ihren Familien helfen kann.

Was hier niedergeschrieben ist, ist meine ganz persönliche Geschichte. Ich habe nichts erfunden und alles was hier zu lesen ist entspricht der vollen Wahrheit und ist wirklich so passiert.

Ich heiße Heike Herys und wurde im August 1962 geboren. Meine beiden Kinder heißen Marcus (9) und Jerome (4). Meine Geschichte habe ich niedergeschrieben, um vielen Leuten zu helfen, Leuten die total verzweifelt sind und nicht mehr weiter wissen. Leuten die bei der Endstation angekommen sind und wo es weder vor- noch rückwärts geht. 

Bevor ich anfange muss ich zwei ganz wichtigen Menschen danken, denn diesen beiden Menschen verdanke ich mein Leben.

Meinen ganz besonderen Dank, spreche ich hiermit meinem behandelnden Arzt für Neurologie und Psychiatrie aus. Sie sind der Mensch, dem ich mein Leben verdanke, denn ohne Sie und Ihre Weitsicht wären meine beiden Kinder heute Waisen. Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass er mich zu Ihnen geschickt hat.

Vor allem aber muss ich an dieser Stelle meiner Therapeutin Frau Bettina Hübner danken. Ich bin einfach überwältigt von Deiner Therapie, die ein Gemisch aus Aufstellungsarbeit und Schamanismus ist. Ohne Dich wäre ich heute nicht mehr am Leben und auch im Namen meiner Kinder möchte ich Dir hiermit von Herzen danken.

Mit Deiner phantastischen Arbeit hast Du es tatsächlich geschafft mich nach 44 Jahren in dieses Leben zu holen und das alles in der kurzen Zeit von noch nicht einmal zwei Monaten. In meinem Herzen ist ein ganz besonderer Platz für Dich reserviert. Ich versichere Dir hiermit, dass ich weiterhin hart an mir arbeiten werde, solange bis sich der Kreis für mich ganz geschlossen hat und ich im vollen Einklang mit mir bin.

Meine eigentliche Geschichte fing 1996, mit der Geburt meines Sohnes Marcus an. Natürlich schon lange vorher, aber zu dem Zeitpunkt war ich allein und hatte keinerlei Verantwortung zu tragen. Mit der Geburt meines Sohnes hatte ich plötzlich eine riesige Verantwortung. Ziemlich schnell merkte ich damals, dass ich dieser neuen Situation irgendwie nicht gewachsen war. Dieses Gefühl, dass ich es irgendwie nicht schaffen konnte begleitete mich nun Tag für Tag. Kurz um, ich hatte einfach Angst zu versagen. Allein stand ich da mit meinem Baby und konnte für mich keinerlei Erklärung finden, warum meine Angst immer größer wurde.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, dass es so nicht weiter gehen kann und suchte damals meinen behandelnden Arzt auf. Er gab mir dann die Anschrift einer Psychotherapeutin, die ich schnellstens aufsuchte, denn ich brauchte ja Hilfe. Nach kürzester Zeit merkte ich, dass dies völliger Unsinn für mich war. Wir drehten uns im Kreis, ich bekam keine wirklichen Ratschläge, die ich irgendwie hätte umsetzen können.

Trotz allem nahm ich weitere Stunden, es waren insgesamt ungefähr 80 Stunden. Immer dachte und hoffte ich, dass es doch irgendwann eine Lösung für mich geben muss. Aber es gab keine. Diese Therapie war einfach nur ein nettes Kaffeekränzchen (natürlich ohne Kaffee), aber es gab nie eine Lösung und schon gar keine Veränderung für mich.

Irgendwann wurde damals dann ein Gutachter eingeschaltet (wieder ein Statist). Er sollte nun über die Genehmigung weiterer Stunden für mich entscheiden. Ohne mich überhaupt zu Gesicht bekommen zu haben, geschweige denn auch nur ein Wort mit mir zu reden hat er vom Schreibtisch aus kurzerhand keine Stunden mehr genehmigt. Der Gutachter sagte damals, ich solle mich in irgendwelche Selbsthilfegruppen begeben. Ich fand diese Gesamtsituation natürlich absolut lächerlich, denn ich wusste ja, dass all diese hellen Köpfe überhaupt keine Ahnung hatten. Ich trug nämlich ein Geheimnis in mir. Das habe ich gehütet wie einen Edelstein. Allerdings konnte ich zu diesem Zeitpunkt dieses Geheimnis überhaupt nicht zuordnen, habe es aber meiner damaligen Therapeutin in 80 Stunden auch nicht verraten.

Ich war allen überlegen, wusste es auch, konnte es aber leider überhaupt nicht erklären. Oft bzw. meistens war ich total frustriert und meine Depressionen wurden meine ständigen Begleiter, die ich einfach nicht abschütteln konnte.

Mein Sohn kam nun in die Schule, und das Chaos nahm seinen Lauf. Gespräche mit der Lehrerin ergaben Verdacht auf ADHS. Marcus war zappelig, unkonzentriert und ganz oft in seine eigene Gedankenwelt versunken.
Meine Sorgen wurden nun immer größer und größer, genau wie die unschönen Begleiter nämlich meine Depressionen. Ich wusste immer, wenn ich es nicht endlich schaffe mich zu verändern, ist auch mein Kind verloren. Also fing ich an mir noch mehr Sorgen zu machen. Zwei Kinderpsychologen stellten unabhängig voneinander fest, dass Marcus ADHS hat. Die Kinderärztin verschrieb uns sofort eine Kur in einer ADHS Klinik. Hurra, wir durften zu all unserem Elend auch noch eine 6 wöchige Kur in Anspruch nehmen. Die Klinikpsychologen stellten damals nach der ersten Woche und nach ausgiebigen Tests mit Marcus fest, er hat gar kein ADHS, nein Marcus ist hochbegabt. Wir kamen wieder nach Hause, aber die Sorgen in der Schule hielten an. Immer wieder Gespräche, Gespräche, Gespräche und keine Hilfe.

Nun versuchte ich Hilfe bei städtischen Beratungsstellen zu bekommen. Schon wieder Gespräche, aber keine Hilfe. Kein Leitfaden wie ich mich ändern kann, damit auch mein Junge sich verändern kann.

Ich wurde mir in diesen Gesprächen immer wieder bewusst, dass ich mich verändern musste, damit es meinem Sohn besser geht (ich nahm für das Verhalten meines Sohnes nämlich immer alle Schuld auf mich, und versuchte es auch zu erklären, aber der Zeitpunkt war damals noch nicht da, dass ich es hätte erklären können). Mir wurde dort nur eingeredet, dass ich eine sehr gute Mutter sei und aller anderer nur erdenklicher Blödsinn. Frustriert ging ich wieder nach Hause, denn ich wusste ganz genau das ich keine gute Mutter war. O.k. ich habe meine Kinder immer gut versorgt und gekleidet, aber als Mutter habe ich versagt. Ich war nie anwesend mit meinem Kopf und wie es sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellte konnte ich auch gar nicht anwesend sein. Meine Kinder konnte ich überhaupt nicht wahrnehmen, und alles was ich an Hilfe angeleiert hatte war total sinnlos gewesen und reine Zeitverschwendung.

Nun kam der Zeitpunkt, dass meine Begleiter, die Depressionen, absolute Oberhand gewannen. Im Mai 2006 spitzte sich meine Lage dann bedrohlich zu. Meine Depressionen wurden nun auch noch von Panikattacken, Herzrasen, Atemnot und einer unglaublich treibenden Unruhe begleitet. Ich spürte das ich gegen die Zeit kämpfte. Also suchte ich wieder meinen behandelnden Arzt auf. Damals bat ich ihn um ein Bett in der geschlossenen Abteilung in Grafenberg (warum ich das tat konnte ich ihm nicht wirklich erklären, später stellte sich heraus, dass ich mich schützen wollte, es war ein unbewusster Selbstschutz). Er grübelte damals und plötzlich sagte er mir etwas ganz Wichtiges: "Frau Herys, also ich weiß nicht so recht, aber sie leben irgendwie das Leben von jemandem anderen". Gleichzeitig gab er mir Frau Hübners Karte mit und sagte ich solle es doch mal dort versuchen. Zuhause angekommen schrieb ich sofort eine E-Mail an sie und bekam auch sofort eine Anwort. Ich ging zu einem Erstgespräch, welches mich allerdings überhaupt nicht überzeugte. Alles was sie mir damals erzählte hörte sich unfaßbar und nicht realistisch für mich an. Sie gibt Wochenendseminare und ich sollte einfach einmal teilnehmen. Vorher nahm ich noch einige Einzelstunden bei ihr und diese Stunden haben mich doch schon ziemlich beeindruckt. Wir bearbeiteten meine Herkunftsfamilie also Vater, Mutter usw.

Dann endlich war es soweit, ich fuhr zu dem Wochenendseminar. Ich mußte 3 Personen aufstellen (man sucht dann aus ca. 24 Teilnehmern Stellvertreter aus) für Vater, Mutter und mich selbst. Alle Personen stellte ich Rücken an Rücken, eigentlich sehr traurig, aber so war es bei uns, denn niemand hatte wirklich Kontakt zueinander. Frau Hübner fragte mich damals nach den Toten auf der Seite meines Vaters. Ich erzählte ihr von einer Schwester meines Vaters, die mit 6 Jahren im Rhein ertrunken ist. Damals war meín Vater ca. 11 Jahre und hat diesen Unfall vom Ufer beobachtet. Das alles war zu Kriegszeiten. Ein feindliches Kriegsschiff hat seine Schwester ertrinken lassen. Sie holte noch eine weitere Person in den Kreis für die tote Schwester. Plötzlich drehte meine Vertreterin sich um und rannte zu der toten Schwester meines Vaters.

Also lag ich praktisch mit meiner toten Tante am Boden. Beide weinten ganz bitterlich und hielten einander fest umschlungen. Ich saß da ganz ruhig, schaute mir diese Szene an, dachte nur endlich hat jemand meinen Edelstein ausgegraben.

Was ich da sah, war für mich ganz vertraut, allerdings hätte ich es vorher ja nie erklären können. Im Grunde war ich 44 Jahre im Reich der Toten Seelen zu Hause und Frau Hübner hat das mit diesem Seminar unterbrochen.

Das heißt sie mußte es tun, denn ich hätte mir im August 2006 das Leben genommen, hätte dies hier nicht mehr schreiben können und niemand hätte auch nur geahnt warum ich aus diesem Leben geschieden wäre.

Dies hört sich unglaublich und unfaßbar an, ich beteuere hiermit aber noch einmal, dass dies die absolute Wahrheit ist. Jetzt ca. 2 Monate nach dieser Aufstellung geht es mir so gut, wie es mir noch nie gegangen ist. Ich habe sehr hart mit Frau Hübner gearbeitet und ich sehe täglich eine Verbesserung für mich und meine Kinder. Hiermit versichere ich nochmals, dass ich auf keinen Fall aufhören werde mit Dir zu arbeiten, Bettina, bis ich ganz über den Berg bin, denn ich möchte nie wieder einen Rückfall in das Alte haben.

Nun mein letzter Satz, mit diesem möchte ich alle Menschen, die mit mir zu tun hatten, für die ich zeitweise meistens unausstehlich war und die mich trotzdem nicht im Stich gelassen haben, all diesen Menschen möchte ich hiermit offiziell sagen, dass es mir leid tut, und ihnen allen meinen von Herzen kommenden Dank aussprechen.

Heike Herys

 

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